Männig

Homeoffice 1990/91

So richtig begeistert war ich offenbar nicht, als mein Vetter Stefan irgendwann im Winter 1990/91 ein Foto von mir aufnahm. Dies lässt zumindest mein grenzdebiler Gesichtsausdruck auf dem Foto vermuten. Als ich das Bild vor einigen Tagen erstmals sah, fiel mir aber auf, dass es sehr schön zeigt, wie vor etwa 27 Jahren ein für damalige Verhältnisse relativ gut ausgestatteter Heimarbeitsplatz aussah.

Heimarbeitsplatz 1990/91

Auf dem kleinen Schreibtisch, den ich gut zwei Jahre früher aus Vierkantrohr selbst zusammengeschweißt und im unvermeidlichen RAL 7035 lackiert hatte, finden wir:

Macintosh SE

Meinen ersten Apple-Computer hatte ich mir erst kurz zuvor, im Sommer 1990 geleistet. Zuvor hatte hier ein 8088-PC von Schmitt Computersysteme (Escom) seinen Dienst getan. Der Mac war natürlich ein echter Fortschritt. Mag einem heute auch der Bildschirm geradezu grotesk klein erscheinen: Für damalige Verhältnisse konnte der SE einiges bieten. Einen vernünftigen Lautsprecher, WYSIWYG durchs gesamte System und eine erfreuliche grafische Benutzeroberfläche. Wir erinnern uns: Windows 3.0 in der 16-Bit-Version war als Deckelchen für MS-DOS gerade erschienen und vermittelte im Vergleich mit Apples damaligen System 6 einen eher ungelenken Eindruck. Neben dem sichtbaren Laufwerk für 3,5″-Floppys war das Gerät mit einer 40-MB-Festplatte ausgestattet. Erworben hatte ich es mit 1 MB Arbeitsspeicher, weil ich mir mehr schlicht nicht leisten konnte. Nach kurzer Zeit aber organisierte ein Kollege (Danke, Andi!) auf dunklen Kanälen satte 4 MB auf vier einzelnen SIMM-Riegeln, womit die Sache schon etwas mehr Spaß machte.

Der Mac SE war mit einem integrierten Netzteil ausgestattet, das mit allen Netzspannungen zwischen 110 und 240 Volt umgehen konnte. Das klingt heute normal, war damals aber eher eine Ausnahmeerscheinung. Für den Würfelrechner besaß ich eine Tragetasche von Targus, in der er als Kabinengepäck akzeptiert wurde und in der er mich eigentlich überall hin begleitete – die erforderlichen Steckdosenadapter und kräftige Schultern vorausgesetzt. Immerhin wog der SE knappe neun Kilogramm. Der Rechner war zu dieser Zeit offline. Eine vorhandener Akustikkoppler, mit dem ich unter MS-DOS ein paar Mailboxen ausgekundschaftet hatte, funktionierte mangels passender Treiber am Mac nicht. Einen brauchbaren Netzzugang hatte ich erst wieder gegen Ende 1991, dann per Modem und CompuServe.

StyleWriter

Bei dem Drucker, der auf dem Foto im Regal über dem Mac zu sehen ist, handelt es sich um einen Apple StyleWriter der ersten Serie. Verglichen mit dem NEC-P6-Nadeldrucker, den ich vorher besaß, war das Druckbild des kleinen Tintenstrahlers mit Canon-Technik exzellent. Allerdings musste man geduldig sein: Der Drucker schaffte gerade mal eine Seite Monochromdruck in der Minute. Allzu lange hielt das Gerät allerdings nicht, bis ich es durch einen StyleWriter II ersetzte, der immerhin doppelt so schnell war.

IQ-Tel 2

Das weiße Telefon, das vorn auf meinem Schreibtisch steht, war das fortgeschrittenste und modernste, was man ab Frühjahr 1990 im Netz der Deutschen Bundespost betreiben durfte. Eine Anzeige der Post beschreibt die spektakulären Leistungsmerkmale:

Es hat ein Display für die gewählte Nummer und die Gebührenanzeige, Freisprech- und Lauthöreinrichtung, Namentasten für 20 Rufnummern. Sie können bei aufgelegtem Hörer wählen, mit einem Sperrschloss unerwünschte Mittelefonierer fernhalten und mit einer Stummschaltung verhindern, daß Ihre Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung alle Gespräche im Raum mithören. Wahlwiederholung ist ebenso selbstverständlich wie Direktruf.

Für dieses Telefon waren – zusätzlich zu Anschluss- und Telefongebühren – jeden Monat noch einmal 9,40 Deutsche Mark an die Deutsche Bundespost zu entrichten. Und für das Anschlusskabel mit sechs Metern, das es erlaubte, nicht nur an der Telefondose im Flur, sondern auch am Arbeitsplatz zu telefonieren, war selbstverständlich eine weitere, monatliche Mietgebühr fällig.

Nicht im Bild: Das Faxgerät

Tatsächlich neben der Telefondose im Flur befand sich eines der frühen erschwinglichen Faxgeräte mit Postzulassung. Das Prachtstück mit Thermo-Druckwerk hatte ich für etwas über 1.200 Mark erstanden und illegalerweise die Absenderzeile selbst einprogrammiert. Offiziell durften das nur die Techniker der Bundespost erledigen. Da ein Faxgerät in dieser günstigen Preisklasse selbstverständlich nicht in der Lage war, sein Zielgerät selbst anzurufen, stand direkt daneben noch ein weinrotes Telefon der Modellreihe Tel 01 LX. Mit diesem wählte man die Zielnummer, wartete aufs Pfeifen des Modems der Gegenseite, drückte den Startknopf am Faxgerät und legte auf. Mit etwas Glück wurden dann alle Seiten, die man in die Stapelanlage des Faxgeräts gelegt hatte, übertragen. Oft aber auch nicht.

Time/system

Da an wirklich mobile und funktionelle Endgeräte zu Verwaltung von Kalender, Adressen und Aufgaben damals noch nicht zu denken war, was das Time/system für die Organisation dieser Daten die Methode meiner Wahl. Man sieht das aufgeschlagene Ringbuch mit den typischen sechs Hefterringen auf meinem Schreibtisch. Das papiergetragene System im A5-Format war wirklich durchdacht und hoch flexibel. Ganz nach persönlichen Wünschen gab es Tages-, Wochen- und Monatsblätter, und es war immer eine Freude, gegen Ende eines Jahres den neuen Ringbuchinhalt für das kommende Jahr – für teures Geld freilich – in Empfang zu nehmen. Die graue Plastikbox mit rotem Streifen im Untergeschoss des Schreibtischs beinhaltet die noch ungebrauchten und bereits archivierten Bestandteile des Systems. Das Time/system habe ich noch bis zur Jahrtausendwende eingesetzt, als es einem auf acht Megabyte aufgerüsteten Palm V als Rundum-Organisationsmittel wich.

Und sonst …

Auf der linken Seite des Schreibtischs erkennt man noch eine kleine Lautsprecherbox. Eine zweite dieser kleinen Sony-Boxen steht verdeckt hinter dem Apple-Rechner. Das Boxenpaar war über Batterien oder ein Netzteil zu betreiben und sein Klang war eher mäßig. Ich betrieb es nicht etwa am Mac, sondern an einem portablen Kassettenspieler mit integriertem Radio, der unter dem Beethoven-Scherenschnitt an der Wand zu sehen ist.

 

So, liebe Kinder, das war’s dann für heute mit dem Thema Opa erzählt von früher. Fazit: Die Technik am Heimarbeitsplatz scheint inzwischen etwas leistungsfähiger geworden zu sein, die Kommunikation einfacher und kostengünstiger.


Headerbild auf Basis eines Fotos von Danamania via Wikimedia, Lizenz CC-SA. Foto im Text mit freundlicher Genehmigung von Stefan Lüders.