Männig

Rezension: Clap – Das People-Magazin

Auf etwas Gegenwind hatte ich mich ja schon eingestellt, als ich am 1. Mai folgenden Tweet absetzte:

»Gewisse Ecken der Blogosphäre wären mir vielleicht recht sympathisch, wäre es dort nicht Pflicht, @DerBulo geradezu abgöttisch zu verehren.«

Aber manchmal scheint es ja so, dass einem die eigenen Untaten auch noch Vorteile verschaffen. Denn was lag heute in der Post, gleich hinter dem Brief vom Finanzamt? Tatsächlich, ein dicker Umschlag mit dem Absender BULO. Da ja nun Abmahnschreiben meist von Anwaltskanzleien versandt werden und auch eher mit wenigen Seiten auskommen, fand ich mich zwar nicht in Panik, aber doch in gespannte Erwartung versetzt. Und siehe da … (zur Vollansicht bitte aufs Bild klicken)

Bulo

Ha! Nun bin ich also Besitzer eines echten Bulo. Wenn ich bedenke, dass gestern Abend bei Christie’s schon so ein nichtssagender Schinken von Picasso für 106,5 Millionen Dollar wegging, dann sollte doch mein Lebensabend jetzt mehr als gesichert sein. Aber dies war die kleinere Freude, lag doch im Umschlag auch ein Rezensionsexemplar der neuesten Ausgabe von Clap – Das People-Magazin. Für Neugierige, Eitle und Schadenfrohe.

Sofort konnte ich mich überzeugen, dass Presse, Funk und Fernsehen nicht übertrieben hatten: Die aktuelle Ausgabe der Publikation kommt tatsächlich durchgängig vierfarbig daher. Durchgängig, das heißt auf 36 Seiten, von denen zehn mit Anzeigen geziert sind, die offenbar in erster Linie von meinen früheren Arbeitgebern, Kunden und Geschäftspartnern geschaltet wurden.

Bleiben also 26 Seiten für die Redaktion. Hier thematisiert die Gazette beispielsweise die längst vergangene Jugend einiger Mediendamen (nicht zu verwechseln mit Kindfrauen), zeigt den Chef des ZDF-Werbefernsehens beim Zeichnen eines Mainzelmännchens oder lässt den Noch-Vorstand eines bekannten Fernsehsenders berichten, wie er sich sein Büro einrichten möchte, wenn er sich demnächst selbständig macht. Im Großen und Ganzen also durchaus die Themen, die angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage unter den Nägeln brennen.

Mein persönlicher Favorit im Heft findet sich unter dem Titel Fit mit Grit auf Seite 20. Hier gibt nämlich Joey Grit Winkler (ich habe sofort gegoogelt, wer das ist) wertvolle Tipps für Gesundheit und Ernährung. Und da kann man wirklich etwas lernen:

Ananas-Diät
Täglich ein Stück Ananas hilft. Es gibt in der Frucht ein Enzym. Das transportiert das Fett aus der Fettzelle in den Muskel, und dort wird das Fett verbrannt. Normalerweise stellt der Körper das beim Fahrradfahren oder Joggen her. Mit der Ananas muss man sich nicht mal bewegen und hat dasselbe Ergebnis! Mir hilft das in Zeiten, in denen ich mich nicht so fit halten kann. Also immer einen Scheibe Ananas morgens. So verbrennt man Fett, ohne Sport zu treiben. Aber Vorsicht! Nicht zu viel davon. Sonst bringt sie der Fruchtzucker um das positive Ergebnis.

Denjenigen meiner Leser, die mit Ananas-Grit bislang auch noch nicht das Vergnügen hatten sei verraten: Die junge Dame moderiert hochkarätige Wissenschaftssendungen wie Welt der Wunder und Schau dich schlau auf Deutschlands führendem Kulturkanal RTL2.

Alles in allem scheinen in Clap primär die Themen Raum einzunehmen, die nach fast 20 Jahren als Abonnent der W&V dann doch irgendwann zu meiner Kündigung des wöchentlichen Heftbezugs geführt haben. Der eindeutige Vorteil von Clap: Die Postille erscheint nur monatlich und ist weit dünner. Für drei Euro ist ist das Einzelheft laut Aufdruck auf dem Hochglanzcover zu haben. Aber wo? Am Kiosk jedenfalls nicht. Und laut Clap-Webseite gibts das Fachorgan sowieso kostenlos – sofern einen die Chefredaktion für ausreichend qualifiziert hält.

Clap, das Peoplemagazin für die Reklame- und Medienbranche. Nur echt mit dem Türsteher!

Darauf einen herzlichen Applaus

 
PS: Ich hoffe nur, ich habe die Sache mit dem Rezensionswunsch richtig verstanden.