Männig

Kommerzielles Nichtmögen

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis jemand eine Antwort auf die derzeit in Netz grassierende Facebook-Like-Button-Seuche geben würde. Und am 30. April vermeldete Mashable tatsächlich: Die deutsche ekaabo GmbH, bekannter unter der Domain ihrer Plattform yiid.com, hat den unvermeidlichen Schritt getan und stellt jetzt einen Dislike-Button zum Einklinken in Webseiten jeglicher Art zur Verfügung.

Ein interessanter und spannender Ansatz, nur wird er leider kaum funktionieren. Denn als Webplattform ist yiid, wie fast alle anderen ihrer Art, auf die Kooperation mit Partnern und vielleicht sogar auf Werbegelder angewiesen. Kooperationen, die höchstwahrscheinlich ausbleiben, wenn erst einmal bekannt wird, dass man bei yiid Unternehmen – und dort werbetreibende oder als Partner auftretende sind da keineswegs ausgeschlossen – madig machen kann.

Eine unvergessliche Bauchlandung hatte diesbezüglich ja beispielsweise schon vor über einem Jahr die Münchner Utopia AG hingelegt. Deren Webplattform Utopia.de, positioniert auf die mittlerweile schon fast wieder vergessene LOHAS-Zielgruppe, hatte, wohl um Werbekunden zu halten und neue zu gewinnen, etwas zu viel euphemistische Kreide gefressen und sich so den Unmut ihrer Mitglieder zugezogen. Diese wollten sich nämlich irgendwann nicht mehr gefallen lassen, dass ihnen Wirtschaftsgiganten wie Henkel (und mittlerweile auch die Deutsche Telekom) als ökologische Vorzeigeunternehmen präsentiert wurden.

Negative Äußerungen der Utopisten genannten Mitglieder der Plattform wollten die Utopia-Oberen jedoch nicht laut werden lassen. Schließlich wollte man ja den Werbekunden und Partnern ein Umfeld mit einer möglichst großen Zahl glücklicher und konsumbereiter potentieller Kunden bieten. Das Ende vom Lied: Allzu widerspenstige Mitglieder der Webplattform wurden ausgeschlossen, ihre Accounts stillgelegt oder geschlossen, eine große Zahl der bis dahin aktiven und Content liefernden Mitglieder zog sich in Rahmen der Querelen von selbst zurück.

Die Erkenntnis von Utopia war schon richtig: Lässt man Kritik zu, dann verärgert man höchstwahrscheinlich die eigenen Partner und Werbekunden, besonders, wenn die Kritik auch mal diese trifft. Und noch schlimmer wird es, wenn man die Kritik noch selbst forciert, wie yiid es wohl jetzt zu tun gedenkt. Klar, es gibt auch Organisationen, die Wirtschaftsunternehmen öffentlich kritisieren, jedoch finanzieren die sich in aller Regel aus Spenden und ähnlichen Zuwendungen engagierter Bürger – und sogar einzelner Unternehmen.

Würde also der jetzt aus der Taufe gehobene Dislike-Button von einem nichtkommerziellen Unternehmen initiiert und betrieben, so könnte man ihm durchaus eine längerfristige Chance geben. Als Tool bei yiid, um schnell eine größere Zahl von Neumitgliedschaften zu generieren – schließlich lässt sich der Button wie beim Facebook-Vorbild nur im Rahmen einer Mitgliedschaft nutzen – , wird er  bestenfalls kurze Zeit funktionieren.

Aber letztlich stellt sich diese Frage ja gar nicht. Denn wie wollte doch gerade Ulrike Langer so treffend auf Twitter wissen:

Und wer stellt jetzt freiwillig einen “Gefällt mir nicht”-Button auf seine Webseite? http://bit.ly/bQC699 via @derfreitag

Sicherlich wollen auch die wenigsten nichtkommerziellen Blogbetreiber im yiid-Ranking der Ungeliebten bald ganz oben stehen. Bleibt also der Dislike-Button als hübsche PR-Aktion, auf die einige Publikationen auch bereitwillig angesprungen sind und die Kunde von der bislang noch wenig in Erscheinung getretenen ekaabo GmbH in die Welt getragen haben.

Letztlich stellt sich aber auch die Frage, wie viele Social-Media-Buttons die Welt eigentlich braucht. Ist es jedem journalistischen Artikel oder Blog-Dreizeiler wirklich dienlich, wenn darunter mit 25 bunten Logo-Buttons darum geheischt wird, ihn in die weite Welt hinauszutragen? Oder entsteht mit der Masse der daraus generierten »Empfehlungen« nicht vielmehr nur eine Abstumpfung bei den Lesern?

 
Ergänzung: Basic Thinking hat sich mit dem Thema auch beschäftigt, wenn auch mit einem anderen Ansatz.