Bring only what fits in a carry-on bag. Checking your luggage is asking for trouble. One suit is plenty. The suit should be a medium gray. Gray not only hides the dirt; it’s handy for sudden funerals and other formal events. At the same time, it isn’t too somber for everyday. Add several travel-size packets of detergent so you won’t fall into the hands of foreign laundries.
– Anne Tyler: The Accidental Tourist, New York 1985

Wenn ich eines in den vielen Jahren meines intensiven Reisens zu schätzen gelernt habe, dann ist es solides und stabiles Reisegepäck. Ein vor vielen Jahren gekaufter, voluminöser Kleidersack der Marke Delsey mit dicker Außenhaut war ein Produkt, dass ich als solches einschätzte. Zumindest so lange, bis sich zeigte, dass sich der daran befindliche Metallhaken zum Aufhängen gern aus seiner Klettband-Befestigung befreite. Dies hatte mehrmals zur Folge, dass sich das gute Stück in den Förderbänder-Katakomben irgendwelcher Airports verhakte und zerriss. Obendrein schienen die Mitarbeiter des Moskauer Flughafens Scheremetjewo das schwarze Edelgepäckstück besonders zu schätzen, hatte es doch Reißverschlüsse, die sich leicht öffnen ließen. Und so verschwand zwischen dem Einchecken und dem Abflug gen Westen regelmäßig alles, was in meinem Reisegepäck irgendwie von Wert war. Einziger Ausweg schließlich: Ich ließ mir um den Kleidersack ein Flightcase aus Sperrholz, Aluminium und Stahl bauen, das obendrein mit schweren Vorhängeschlössern versehen war.

Auch bei der Auswahl eines Trolleys in Carry-on- oder Kabinengröße vor einigen Jahren war ich auf vermeintlich Stabiles bedacht. Daher griff ich zu einem Modell der Topas-Serie von Rimowa. Schickes, poliertes Aluminium und solide Qualität Made in Europe, so erwartete ich zumindest. Leider zeigte sich schon nach kurzer Zeit, dass die glänzende Außenhaut keineswegs schlagfest war und zum Verbeulen neigte. So war immer wieder einmal das Ausbeulen des guten Stücks angesagt, insbesondere dann, wenn es doch wieder einmal eingecheckt worden war. Die Schlossmechanismen erwiesen sich als wenig widerstandsfest. Die Gegenstücke der recht scharfkantig gestanzten Hakenfallen aus Metall waren aus einem weichen Kunststoff gefertigt, der sich bei häufigem Gebrauch so stark abnutzte, dass die Schlösser immer wieder unbeabsichtigt aufsprangen. Das Ergänzen des abgeschliffenen Plastiks mit Epoxydharz half zeitweilig, als wirklich zuverlässig erwies sich jedoch nur das Verschließen mithilfe des unvermeidlichen Gaffer Tape. Das Reifenmaterial der Räder war schneller abgerieben als erwartet, so dass das Köfferchen nach einiger Zeit mehr oder weniger auf den Felgen rumpelte, und die Halterungen der inneren Spanngurte begannen irgendwann leider auch abzubrechen. Alles andere als perfekt für ein Produkt, das inzwischen fast 500 Euro kostet.

Vor einigen Monaten war es daher an der Zeit, sich nach einem robusteren Nachfolger umzuschauen. Bei Lederwarenhändlern und in den Kofferabteilungen der Warenhäuser fand ich leider nichts, was mich wirklich überzeugte. Parallel dazu beobachtete ich, in was Menschen, die wirklich Empfindliches zu transportieren haben, ihre Habseligkeiten verpacken. So fiel mein Auge auf die Produkte des US-Herstellers Peli Products, der unter anderem auch im sächsischen Crottendorf produziert. Dessen Modell 1510 ist mit Rollen und ausziehbarem Griff ausgestattet und war bei aqua terra in Ulm für unter 160 Euro einschließlich Versand erhältlich. Seit acht Monaten tut nun also das schwarze Unikum seinen Dienst bei allen meinen kürzeren Reisen.

Die Schwachpunkte gleich vornweg: Wer in erster Linie auf optische Eleganz Wert legt, der wird mit dem Peli 1510 nicht glücklich. Das klobige Polypropylen-Gehäuse zeigt deutlich, dass es aus der Welt der Technik, der Logistik und der Expeditionen stammt. Bedingt durch die dickwandige Bauweise ist der Koffer außerdem schwerer als gewöhnliche Carry-on-Cases. Mit 5,44 kg Leergewicht liegt er beispielsweise 1,2 kg über dem zuvor verwendeten Rimowa. Obendrein haben die Kugellager der kräftigen Rollen etwas Spiel, so dass sie auf unebenem Untergrund geräuschvoller laufen, als man sich dies wünschen würde.

Dafür erhält man allerdings einen Koffer, in dem alles Transportierte so sicher aufgehoben ist wie in Abrahams Schoß. Das Gehäuse ist höchstgradig schlagfest, staub- und sogar vollständig wasserdicht. Dafür sorgt die Konstruktion aus lediglich zwei Hauptschalen, die am Flansch mit einer O-Ring-Dichtung hermetisch verschlossen sind. Der Hersteller garantiert dafür, dass bei einem Meter Wassertiefe auch nach 30 Minuten noch kein Tropfen eindringt. Da der Koffer bis zu einem Gesamtgewicht von fast 30 kg schwimmfähig ist, bleibt dieser Fall jedoch vermutlich meist ein theoretischer. In der Praxis bewähren sich die zuverlässig in zwei Stufen einschnappenden Verschlüsse, die mit einem seitlichen Schutz gegen unbeabsichtigtes Öffnen gesichert sind. Die Tragegriffe sind mit angenehmem Gummimaterial belegt, der Zuggriff problemlos mit einer Hand auszieh- und auch wieder einrastbar.

Um Kondensationsfeuchte im Innenraum zu vermeiden, ist der Koffer mit einem Druckausgleichventil versehen, das wiederum mit einer Polyethylenmembran (in der Funktionsweise ähnlich wie das bekannte Gore-Tex) abgedichtet ist. Durch die Wandstärke von 5,3 mm ist der Peli 1510 so stabil, dass man auf jeder Gehäuseseite problemlos sitzen oder stehen kann, selbst dann, wenn man mit einem höherem Körpergewicht gesegnet ist. Dies ist nicht nur bei unvermuteten Wartezeiten angenehm, sondern auch dann, wenn der Zug wieder einmal heillos überfüllt ist. Die wenigen Metallteile – Scharnierstifte, Schrauben der austauschbaren Rollen und Verstärkungsbleche – sind ausnahmslos in rostfreiem Stahl ausgeführt. Bei Bedarf kann der Koffer mit zwei Vorhängeschlössern sicher verschlossen werden.

Neben dem leeren 1510 ist der gleiche Rollkoffer auch mit einer Würfelschaumstoff-Ausstattung (beispielsweise zum Transport von Kameraausrüstungen) oder als edel eingerichteter 1510LOC Laptop Overnight Case erhältlich. Für die einfachste Ausstattung habe ich mich entschieden, weil sie ihrem Benutzer schlicht den größten nutzbaren Stauraum zur Verfügung stellt. Für den Fall, dass der kleine Koffer einmal nicht ganz gefüllt ist, führe ich immer ein einfaches, aufblasbares Kopfkissen mit, das bei Bedarf den freien Raum passgenau ausfüllt. So kann nichts im Inneren herumfallen oder klappern. Da aber bei einem Koffer dieser Art zu viel Platz selten ein Problem ist, würde ich beim nächsten Mal sogar erwägen, zum etwas größeren Modell 1560 zu greifen. Es entspricht natürlich nicht mehr den Regeln für Kabinengepäck im Flugzeug, was aber unbedeutend ist, wenn man sich wie ich ohnehin meist per Bahn fortbewegt.

Fazit: Wem Zweckmäßigkeit vor Prestigewert und Robustheit vor Mainstream-Erscheinung geht, der erhält mit dem Peli 1510 ein Stück unzerstörbares Reisegepäck mit hervorragendem Preis-Leistungs-Gefüge, von dem er sich nicht mehr trennen mag.