Das Trio Infernal der östlichen Münchner Speckgürtel-Gemeinden, Aschheim, Kirchheim und Feldkirchen, hat ja schon seit längerem kein allzu glückliches Händchen, was die Verkehrsplanung betrifft. Zwar bietet man gemeinsam einigen Tausend in München arbeitenden Autopendlern ein Heim und großzügige Reihen- und Tiefgaragen, jedoch möchte man am liebsten keinen Verkehr innerhalb der eigenen Gemeindegrenzen haben. Also lässt man sich mit schier krimineller Kreativität immer wieder neue Tricks und Schliche einfallen, um diesem Ziel näher zu kommen.

Erstaunlich dünkt es dem Beobachter dabei, das die verkehrsbeschränkenden Wirkungen dabei stets mit dem Bau neuer Straßen bewerkstelligt werden sollen. Die alte Volksweisheit Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten scheint bei den Kommunalpolitikern der Vororte des bayerischen Millionendorfs noch nicht angekommen zu sein. So träumt also Kirchheim immer noch vom vierspurigen Ausbau seiner Staatsstraße 2082 und Feldkirchen freut sich auf eine neue Südumgehung. Die ist zwar durch die Autobahn A 94 eigentlich sowieso schon existent, aber das macht nichts: Man baut einfach noch einmal eine Straße parallel zur Autobahn.

Den Vogel aber hat jüngst die Lokalpolitik der Gemeinde Aschheim mit dem Bau ihrer eigenen Interpretation einer Umgehungsstraße abgeschossen. Auch hier hat man auf das Ost-Münchner Erfolgsmodell der Autobahnparallele gesetzt. Klar, man hätte auch hier den Verkehr einfach auf die A 99 leiten können, aber offenbar waren ausreichend Fördermittel von Bund und Freistaat vorhanden, um sich auch eine einzigartigere Lösung erlauben zu können. Und so erlebt der Autofahrer heute, von Norden kommend, zunächst einmal ein beeindruckendes Verkehrsbauwerk mit geradezu romantisierender Verkehrsführung, bevor er den Weg entlang der Schallschutzwand der Autobahn nehmen kann.

Von Süden kommend sieht die Sache schon diffiziler aus. Hier haben die Planer leider vergessen, dass eine Umgehungsstraße für Pkw-Fahrer und Schwerlastverkehr auch erst einmal erreichbar sein muss. Was man unterlassen hat, ist schlicht, die schicke, neue Entlastungschaussee an das bestehenden Straßennetz anzuschließen. Und so muss der Autofahrer erst einmal erstaunt die gewohnte B 471 nach Westen verlassen und sich verwundert Richtung Osten begeben. Dabei wollte er doch nur nach Norden. Endgültig verwirrt aber werden selbst Ortskundige, wenn sie der weiteren Beschilderung folgen.

Die Hinweistafeln weisen zunächst wieder nach Süden ins Niemandsland eines neuen Gewerbegebiets, dort rund um einen Kreisverkehr wieder nach Osten, um sofort auf den nächsten Kreisverkehr zu treffen. Spätestens hier, zwischen Paketverteilzentrum, Landmaschinenhändler, Möbelhaus und Autobahn, fühlt jeder Automobilist, dass er sich unrettbar verfahren hat und sucht den Weg zurück zur guten, alten B 471, die doch schon seine Ahnen befahren haben. Dabei hätte er eigentlich nur noch den zweiten Kreisverkehr im Winkel von 270 Grad umfahren müssen, um sich schon bald darauf in nordwestlicher Richtung auf dem beeindruckenden Verkehrsbauwerk der neuen Aschheimer Umgehungsstraße wiederzufinden.

Freilich, der Weg über die Umgehungsstraße ist in jedem Fall ein erhebliches Stück länger und benötigt auch deutlich mehr Zeit als die bewährte Direktverbindung durch den Ort. Kein Wunder, dass die Prachtstraße entlang des Autobahnrings nur wenig Akzeptanz findet. Und so schieben sich zum Entsetzen der Lokalpolitik auch weiterhin die Autoschlangen und zahllose Sattelzüge täglich und der Anwohner durch Aschheim. Was tun? Mitglieder des Gemeinderats empfahlen den Anwohnern, doch ihre Autos künftig nicht mehr in der Garage, sondern auf der Bundesstraße und so zu parken, dass der Durchgangsverkehr möglichst schlecht passieren könne.

Die Polizei fand’s weniger lustig, und ebenso wenig einige der frisch gebackenen Laternenparker, nachdem ihre vierrädrigen Lieblinge die ersten Beulen davongetragen hatten. Als nächster Versuch sollte ein Durchfahrtverbot für Lastkraftwagen her. Die Sperrschilder waren schon aufgestellt, als sich herausstellte, dass man die Rechnung ohne die übergeordneten Verkehrsbehörden gemacht hatte. Da könne ja jeder kommen, meinten die, und einfach irgendwelche Bundesstraßen sperren wollen für die auch noch der Bund auch zahlt. Nichts war es abermals mit dem Frieden im Dorf.

Nun also eine weitere Idee von beeindruckendem geistigen Format: Man führt einen Rückbau der zentralen Kreuzung in der Gemeinde durch. Das funktioniert offenbar auch ohne Einwilligung des Bundes. Die Bauarbeiten werden so lange irgend möglich hingezogen und die Zufahrtsstraßen zum Ort schon einmal präventiv mit einer reichlichen Zahl kreativ gestalteter Hinweistafeln versehen. Doch noch immer mögen die Nutzer der B 471 diese nicht verlassen und sich über einen wundersamen Zickzackkurs und diverse Kreisverkehre auf die wunderbare, neue Ortsumgehung quälen, die ohnehin auf der Mehrzahl der Navigationssysteme noch nicht verzeichnet ist. Und wäre sie es, dann würde sich wohl als deutlicher Umweg, sowohl was die Strecke, als auch was die Fahrzeit betrifft, auch nicht empfohlen werden.

Und so tagen sie nun in alle Ewigkeit, die Aschheimer Ortsoberen, und beratschlagen, was man denn noch alles tun könnte, um den regionalen Transitverkehr über die Straße durch das Niemandsland umzuleiten. Zu dumm, dass niemand der Honoratioren und Verkehrsplaner vorab auf die Idee gekommen war, eine Umgehungsstraße so zu planen, dass sie auch irgendjemandem außer den Bauunternehmen, die sie errichten, einen Mehrwert bietet.

Aber eigentlich hatten sich die verkehrsplanerischen Qualitäten der
Gemeinde Aschheim ja schon zuvor sehr deutlich gezeigt. Genussvoll betrachtet der verkehrspolitisch Interessierte die Radwege, quasi die Sandkastenspiele der Verkehrsplaner, in der Münchner Umlandgemeinde: Auch die sind von Hindernissen, Schikanen und irrwitzigen Beschilderungen nur so gespickt. Hätte man nicht vielleicht ein einziges Prozent der in den vergangenen verbauten Gelder auch in das verkehrsplanerische Grundwissen der Aschheimer Gemeindespitze investieren können?