Männig

München – ein Fahrradparadies

Zum zweiten Mal fand sie schon statt, die Münchner Radlnacht. Die Stadt, die sich ja mit lokalem Sprachkolorit selbst zur Radlhauptstadt – von was auch immer – ernannt hat, versucht mit der Veranstaltung einmal mehr, sich als Hauptstadt der Bewegung, diesmal allerdings auf zwei Rädern, zu profilieren. Dazu sperrt man, nicht ohne eine gehörige Portion Ironie, ausgerechnet den Altstadtring für den Autoverkehr, der zur Huldigung der Individualmotorisierung in den späten sechziger Jahren als Schneise durch die Altstadt geschlagen worden war.

Auf den bis zu sechsspurigen Pisten durften nun also abermals für einen Abend die Münchner Radfahrer ihre Runden drehen. Gibt es etwas Schöneres, als den öden Altstadtringtunnel mit seinen Fliesenwänden, der einst gegen den massiven Widerspruch der Bevölkerung von der Politik durchgedrückt worden war, mit dem Fahrrad zu durchqueren? Vielleicht schon, denn die Bilder der Süddeutschen Zeitung vom Großevent zeigen zunächst einmal Radfahrer, die sich traditionell lieber auf dem Gehweg fortbewegen, als auf der Fahrbahn – selbst wenn diese für den Kraftverkehr gesperrt ist.

Weiteres Highlight der Veranstaltung: Die Radl & Fashion Show in der Alten Kongresshalle. Dort wurden schicke Dirndl und knappe Kostüme gezeigt, die zum Radfahren ungefähr genauso geeignet sind, wie der durchschnittliche Münchner Radweg an ganz gewöhnlichen Tagen – also schlicht überhaupt nicht. Aber darum dürfte es der Stadtspitze, die im vergangenen Jahr schon mit ihrem genialen Radl-Joker aufgefallen war, auch gar nicht gehen. Ihr Interesse liegt in kurzfristigen Effekten, die von der autofahrenden und wählenden Bevölkerungsmehrheit so wahrgenommen wird, dass man doch für diese Radl-Rambos und zweirädrigen Verkehrshindernisse ohnehin schon genug tut.

Und am Montag darf er sich dann wieder zwischen Mülltonnen und ausgerollten Hundeleinen hindurch in Schrittgeschwindigkeit durch die Stadt schlängeln, der Münchner Radler. Auf benutzungspflichtigen Radwegen, die das Unfallrisiko um ein Vielfaches erhöhen und die den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen zum Großteil nicht im Mindesten entsprechen. Dass sich die Stadtoberen mit den rechtlichen Rahmenbedingungen des Radverkehrs nicht so gut auskennen, davon zeugen bereits die eigenen Pressebilder: Da glänzen die Radhelme und die Sakkoschöße flattern dekorativ im Fahrwind, eine StVO-gerechte Ausstattung der Fahrräder mit Beleuchtung und ähnlich überflüssigem Luxus scheint jedoch nicht von Belang zu sein.

Und Geld für die Verbesserung der Verkehrssituation wäre ja leider ohnehin nicht mehr vorhanden. Das wurde ja bereits für effektvolle, stadtpolitische PR-Aktionen wie die Radlhauptstadt oder die Radlnacht verbraucht. Tut uns leid, liebe Münchner Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern, vielleicht klappt’s ja unter der nächsten Stadtspitze. Gute Fahrt!