Sie ratscht ja gern, die Frau Huber von nebenan. Man könnte geradezu unterstellen, dass sie den halben Tag hinter ihrem Türspion verbringt, denn fast jedes Mal, wenn man das Treppenhaus betritt, kommt sie zufällig gerade auch aus ihrer Wohnungstür gelaufen. Bekleidet mit ihrer typischen, blaugemusterten Kittelschürze und meist mit einem Gegenstand in der Hand, der auf ihr eifriges Tun im Haushalt hindeutet. Vielleicht lagert sie aber auch ihre Schneebesen, Plastikgießkannen und Teppichklopfer eigens zu diesem Behufe direkt hinter ihrer Wohnungstür. Gestern also läuft mir die Huberin wieder einmal direkt in die Arme.

»Sie, is Eahna dös scho aufgfoin? Der Müller aus dem dritten Stock, der hat’s wohl auch nicht nötig, was zu arbeiten. Jeden Tag geht er mindestens zweimal im Park spazieren. Immer wenigstens eine dreiviertel Stunde. Da kann das Wetter noch so schlecht sein. Der kann wohl nix mit sich anfangen, der Herr Müller. Der weiß nix zu tun. Kann einem direkt leid tun, dieser Müller.«

Ich deute auf meine Einkaufstasche und murmle etwas von Ladenschluss und muss schnell los, weil ich nicht den Wunsch verspüre, gerade jetzt mit Frau Huber die Gewohnheiten aller Mitbewohner zu diskutieren, und eile von hinnen. Doch schon heute Morgen, ich habe gerade meinen Weg zum Bäcker angetreten, steht die Nachbarin wieder vor mir.

»Håms as scho xeng? Die Frau Kuhn hat jetzt einen Hund. Ja, so a süßes Zamperl! Und wie sie sich aufopfert, die Frau Kuhn. Muss ja oft raus, so ein Hund, und allein kann man ihn ja nicht rausschicken, bei dem Verkehr, den Hund. Mindestens zweimal am Tag geht sie lange raus mit dem Leo, so heißt er, meist hinten im Park. Wie sie sich aufopfert für die Kreatur, die Frau. Bei jedem Wetter …«

Akzeptanz ist offenbar immer eine Frage der richtigen Ausrüstung. Insbesondere beim Müßiggang. Übrigens: Nordic-Walking-Sticks sind hundesteuerfrei und erzeugen keimerlei Pansengeruch in der Wohnung. Aber ich werde es mir wohl verkneifen, Frau Kuhn darauf hinzuweisen.