Wenn man 330 km hinfährt, muss man sie auch irgendwann zurückfahren. Und ich habe Glück: Während es am Tag meines Aufenthalts im Taubertal teilweise kräftig regnet, ist es am Dienstag Morgen wieder trocken. Von Anfang an plagt mich allerdings deutlicher Gegenwind, der die durchschnittliche Fahrtgeschwindigkeit deutlich herabsetzt.

Um flinker voranzukommen, wähle ich zunächst einmal größere Straßen anstatt touristischer Radwege. Das ist zwar nicht immer sehr erfreulich, bringt mich aber tatsächlich zügig, diesmal das Taubertal aufwärts bis Bad Mergentheim. Von dort aus nehme ich die wenig befahrene Route durchs Wachbachtal, um die erforderlichen fast 190 Höhenmeter zu erklimmen. Auf den gut zehn Kilometern durchs Tal ist das angenehm und landschaftlich reizvoll, aber auf dem Hochplateau erreicht man wieder die Bundesstraße 290, auf der man sich bis Crailsheim bei Gegenwind und viel Kfz-Verkehr oft mehr entlangquält.

Beschilderungsdelikatesse in Satteldorf: Hier dürfen Fahrräder im Parkverbot parken.

Beschilderungsdelikatesse in Satteldorf: Hier dürfen Fahrräder im Parkverbot parken.

Ab Crailsheim wird es bis Dinkelsbühl und darüber hinaus auch nicht viel lustiger. Die dortigen Straßenverkehrsbehörden scheinen eine höchst eigenwillige Interpretation davon zu haben, was ein fahrbahnbegleitender und damit benutzungspflichtiger Radweg ist. An jeder Hofeinfahrt und jedem einmündenden Feldweg wird der Radweg von Vorfahrt-gewähren-Schildern unterbrochen, überdies wechselt er alle paar hundert Meter bis wenige Kilometer die Straßenseite.

Eigenwillige Radwege: Achterbahn bei Dinkelsbühl.

Eigenwillige Radwege: Achterbahn bei Dinkelsbühl.

Südlich von Dinkelsbühl benutze ich dann wieder weit erfreuliche Nebenstrecken nach Radweit-Empfehlung bis nach Nördlingen. Zwischen Eck am Berg und Tannhausen ist die empfohlene Strecke allerdings gesperrt, weil die kleine Nebenstrecke hier scheinbar gerade auf Autobahnniveau ausgebaut wird. Ich spare mir die geschätzten zwölf Umleitungskilometer und durchquere die Baustelle unter dem Applaus der freundlichen Bauarbeiter.

Von Nördlingen nach Harburg geht’s auch über kleine Dörfer weiter, bevor man einige Zeit die Bundesstraße 25 begleitet. Dann ist aber auch schon Donauwörth, mein Etappenziel für diesen Tag nach gut 172 Kilometern, erreicht. Praktischerweise habe ich ein Zimmer im Trabantenstadtteil Lederstatt gebucht – und der liegt fast 100 Höhenmeter über der Altstadt. Heute muss mein Glückstag sein.

Dunst über den morgendlichen Donauauen bei Donauwörth.

Dunst über den morgendlichen Donauauen bei Donauwörth.

Dafür werde ich am nächsten Morgen gleich mit einer herrlichen, schnellen Abfahrt über geteerte Feldwege hinab an die Donau belohnt. Nach der kleinen Donaubrücke am Lehenhof verhasple ich mich erstmal gründlich in einem Kiesabbaugebiet, das sich seit der Dokumentation von Google scheinbar deutlich verändert hat. Ich finde schließlich aber doch den Weg zur Lechbrücke bei Rain. Auch die Nebenstrecke nach Bayerdilling ist gesperrt, so dass ich wieder auf einer viel befahrenen Staatsstraße Richtung Aichach fahre.

Wegkreuze zeugen von den Gefahren des Straßenverkehrs.

Wegkreuze zeugen von den Gefahren des Straßenverkehrs.

Was mir auffällt, ist, dass es im gesamten Südbayerischen Raum keine auch noch so kurze Verbindungsstrecke zwischen zwei Dörfern zu geben scheint, auf der nicht Wegkreuze aus dem letzten Jahren von den Opfern des Starßenverkehrs künden. Richtung Franken nimmt deren Häufigkeit deutlich ab, was aber vermutlich nicht daran liegt, dass die Franken die besseren Autofahrer sind. Vielmehr neigen sie als Protestanten vielleicht nur weniger dazu, Wallfahrtsstätten zu schaffen. Ich überlege mir, ob man nicht die örtlichen Brauereien, die ja sicher auch zur Entstehung dieser Kultstätten in nicht unerheblichem Maß beigetragen haben, als Sponsoren in deren Unterhalt involvieren könnte, verwerfe den Gedanken dann aber wieder.

Mein liebster Ortsname in Deutschland: Xyger.

Mein liebster Ortsname in Deutschland: Xyger.

In Aichach gibt’s mal wieder ein Eis in der Mittagspause, bevor mich mein Weg über den Weiler mit dem faszinierenden Namen Xyger Richtung Dachau weiterführt.

Die Ruppertskircher wissen: Das Navi hat nicht immer Recht.

Die Ruppertskircher wissen: Das Navi hat nicht immer Recht.

Während die Einwohner von Ruppertskirchen offensichtlich unter fehlgeleiteten GPS-Gläubigen zu leiden scheinen, entdecke ich in Kleinberghofen die Ruinen einer der dümmsten Marketingideen der letzten Jahre: Hier lagern auf dem Parkplatz eines Gasthauses die verlassenen Verkaufscontainer der Dönertier AG.

Dönertiere in Kleinberghofen: Döner kann man scheinbar auch ohne Franchisegeber verkaufen.

Dönertiere in Kleinberghofen: Döner ist scheinbar doch auch ohne Franchisegeber zu verkaufen.

Bevor ich schließlich wieder München und meinen Heimatort Feldkirchen erreiche, quält mich noch eine Frage: Wo ist eigentlich der Plural der Kartoffel geblieben?

Nur noch im Singular zu haben: Kartoffeln.

Nur noch im Singular zu haben: Kartoffeln.

Weshalb werden eigentlich überall am Wegesrand Kartoffeln nur im Singular, also offensichtlich als Einzelstücke verkauft? Kartoffel, Frühkartoffel, Speisekartoffel … Ich hätte ja gern eine gekauft, hatte aber einfach zu große Bedenken, dass mir jemand zuvorgekommen sein und sie mir vor der Nase weggeschnappt haben könnte.