Männig

An der Basis

Dös hod da Nabboleon ogschaffd. Vermutlich kann nur ein Oberbayer komplexe geschichtliche Zusammenhänge so kurz und treffend zusammenfassen. Ich bin an der Goldach, einem Flüsschen nordöstlich von München unterwegs, als ich von zwei älteren Herren gefragt werde, was ich denn in dieser gottverlassenen Gegend zu suchen habe. Die Basislinie möchte ich erkunden, erkläre ich wahrheitsgemäß. Die Antwort des einen Passanten fällt wie erwartet aus: Ha? Der andere scheint besser informiert: Aah, die Basislinie! Und er erläutert seinem Begleiter: Dös hod da Nabboleon ogschaffd.

In der Tat: Napoleon scheint beim ersten Großprojekt der modernen Landvermessung eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen. Im Juni des Jahres 1800 haben seine Truppen im Zuge des Zweiten Koalitionskrieges die Stadt München eingenommen. Im Dezember des gleichen Jahres fügen die französischen Verbände der österreichischen Armee in der Schlacht von Hohenlinden empfindliche Verluste zu. Kurz: Napoleon ist im Land, und über kurz oder lang hat die bayerische Staatsspitze keine andere Möglichkeit, als sich mit ihm zu verbünden. Was den französischen Offizieren bei ihrem Feldzug unangenehm aufgefallen ist, wird bald zum Diskussionsthema mit den örtlichen Autoritäten: Man verlässt sich in Bayern nach wie vor auf die Landkarten des Philipp Apian aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, die nun, 250 Jahre später, alles andere als hochaktuell sind.

Die Franzosen regen also eine Neukartografierung Bayerns an – und treffen beim Staatsoberhaupt, dem Kurfürsten Maximilian IV. Joseph, der später König Max I. Josef werden soll, auf offene Ohren. Kein Wunder, denn Max ist nicht nur Pfälzer, sondern auch in Frankreich aufgewachsen und obendrein Oberst des Corps d’Alsace der französischen Armee. Erst ein Jahr zuvor hat ihn die Erbfolge der Wittelsbacher, bedingt durch den Tod des Kurfürsten Karl Theodor, nach Oberbayern verschlagen. Max ordnet also im Juni 1801 flugs die Gründung eines Topographischen Bureaus an, und die führenden Positionen werden sicherheitshalber auch gleich mit französischen Offizieren besetzt. Die Gruppe unter Charles Rigobert Marie Bonne und seinem bayerischen Partner Adrian von Riedl beschließt, das Kurfürstentum mit einem Netz von Dreiecken zu überziehen, das die Grundlage für die Triangulation aller weiteren Punkte sein soll. Als Eckpunkte der Dreiecke werden jeweils weithin sichtbare Punkte wie Kirchtürme, Schlösser, Gipfelkreuze oder eigens zu errichtende Markierungsgebäude gewählt. Den Ausgangspunkt des gesamten Systems bildet der nördliche Turm des Münchner Doms zu Unserer Lieben Frau, besser bekannt als Frauenkirche.

Von hier aus soll die erste Strecke hochgenau vermessen werden. Als Zielpunkt hat man sich den Kirchturm des Dorfes Aufkirchen (heute Gemeinde Oberding) nahe Erding ausgesucht. Da die Abstandsbestimmung mithilfe von Messlatten durchgeführt werden muss, hat man ganz bewusst das fast unbesiedelte und unbebaute Gebiet des damaligen Erdinger Mooses für die Basislinie der gesamten, geplanten Vermessung des Landes gewählt. Doch schnell stellt man fest: Auch die Häuser in München stören die Vermessungsarbeiten empfindlich. Und wie legt man eine horizontale Messlatte bis an die Spitze eines Kirchturms? Kurzerhand beschließt man, nur einen Teil der Gesamtstrecke exakt zu vermessen, beginnend ungefähr zwischen den Türmen des Kirchleins in Johanneskirchen und der Kapelle St. Emmeram, endend auf der Schnittlinie der Kirchtürme von Niederding und Moosinning. Am 25. August 1801 beginnen die Arbeiten unweit des Dorfes Unterföhring. Ein erst Jahre später veröffentlichtes Dokument des Topographischen Bureaus berichtet detailliert über das Vorgehen:

Die Meßung geschah mit fünf hölzernen Meßstangen, wovon jede fünf Mètres lang, verhältnißmäßig stark, und an beiden Enden mit Kupfer beschlagen war; dieselben wurden sehr gut mit Oehl getränkt, um den Einfluß der Feuchtigkeit abzuhalten, und so construirt, daß sie nach keiner Seite sich werfen konnten. […] Um die Richtigkeit der Meßung zu sichern, wurde mittelst dreifüßiger Stühle, worauf dicke abgehobelte Bohlen, leicht zusammengefügt, gelegt wurden, eine fünfzig Mètres lange Brücke errichtet, welche durch die Spindelschrauben der Stühle leicht horizontal zu stellen war.

Auf dieser Grundlage wurden die fünf Stangen, stets in derselben Reihenfolge, in der bezeichneten Linie ohne Zwischenraum aneinander gelegt. Ein Senkblei, das von der ersten Stange auf einen untergelegten Gegenstand einspielte, und um gegen den Einfluß des Windes gesichert zu seyn, durch einen hohlen Cylinder gieng, zeigte die kleinste jedesmal leicht zu corrigierende Verrückung an, wenn sich durch das Aneinanderstoßen der Stangen eine Erschütterung ergab. Nach Legung einer jeden Portée wurden die hintersten Stangen nach und nach abgenommen, und vorne auf der Bahnverlängerung nach angezeigter Art wieder angelegt. War die ganze Lage wieder neu hergestellt, so wurde der leer gewordene Theil der Brücke abgebrochen und in der vordern Richtung wieder angesetzt.

Jeder Schritt der Messungen wird peinlich genau protokolliert, ebenso die Witterungsverhältnisse jedes einzelnen Arbeitstages. Die Längenveränderungen der Messlatten durch wechselnde Temperaturen werden rechnerisch korrigiert. Die mühselige Prozedur, tagein, tagaus, ist im unwegsamen Moos mit seinen zahlreichen, oft wechselnden Wasserläufen sicherlich alles andere als ein Vergnügen. Dennoch wird schon im November des gleichen Jahres der Zielpunkt bei Aufkirchen erreicht. 21.653,752 Meter werden gemessen, und da der futuristische Mètre erst wenige Jahre zuvor in Frankreich eingeführt wurde, werden sie flugs in besser verständliche Bairische Schuch und Dezimal-Ruthen umgerechnet. Neuerliche Messungen der Basislinie um die Jahrtausendwende zeigen: Die Kartografen 200 Jahre zuvor haben auf der Gesamtstrecke um ganze 70 Zentimeter falsch gemessen. Das entspricht einer Abweichung von gerade einmal 0,003 Prozent. Im Jahr 1802 werden am Anfangs- und Endpunkt der vermessenen Basislinie zwei Monumente errichtet. Obwohl sie die Form eines stumpfen Obelisken haben, werden sie bis heute als Basispyramiden bezeichnet.

Zwei Punkte in der oberbayerischen Landschaft – verbunden durch eine imaginäre, aber dennoch höchst bedeutsame Linie, die bis heute für die räumliche Orientierung im gesamten Freistaat unverzichtbar ist. Grund genug, die Basislinie zwischen Unterföhring und Aufkirchen einmal zu besuchen und zu erforschen, was sich seit der Erstellung der ersten genauen Landkarte so alles in diesem Gebiet verändert hat. Kurz gesagt: Das Moos ist nicht wieder zu erkennen. Oder etwas genauer: Es ist eigentlich gar kein Moos mehr zu finden. Durch die massiven wasserwirtschaftlichen Eingriffe im frühen 20. Jahrhundert wurde das Moos weitgehend trocken gelegt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Uralte Wasserläufe wurden verlegt, kanalisiert oder sind ganz ausgetrocknet. Blieb durch den Torfabbau und die Versuche der Urbarmachung des Landstrichs sein Charakter noch weitgehend erhalten, so änderte sich dieser nach dem Bau des Abfanggrabens, des Mittlere-Isar-Kanals und des Ismaninger Speichersees ganz erheblich. Gleichzeitig wurde die Besiedelung immer dichter. So trifft man heute nur noch auf ganz wenige Referenzpunkte, die zur Zeit der Vermessung der Basislinie bereits existierten und die auch heute noch erkennbar sind.

Tipps: Die Tour nachverfolgen


Per Mausklick sind in Google Maps zu betrachten: Eine einfache Übersicht der Basislinie, die Strecke der Tour entlang der Basislinie und eine Kombination beider Darstellungen. Die beiden letzteren sind mit klickbaren Fotos versehen, daher braucht das Laden der ca. 1,8 MB großen Dateien gegebenenfalls etwas Zeit. Wer das Betrachten in Google Earth vorzieht, kann alle drei Dateien natürlich auch herunterladen (Rechtsklick, speichern unter: Basislinie, Tour, Kombination) und lokal durch Doppelklick in diesem Programm öffnen. Ideal zum Vergleich mit den historischen Landkarten, jedoch etwas komplizierter, ist allerdings die Ansicht im BayernAtlas. Hierzu die GPX-Dateien für Basislinie und Tour (jeweils per Rechtsklick speichern) herunterladen und im Expert-Modus (Link oben links) des BayernAtlas per Upload-Button (vierter von links in Buttonleiste oben) wieder hochladen. Oben rechts kann man zwischen aktuellen Kartenwerken, historischen Karten und aktuellen Luftbildern wählen.

Beginnt man die Erkundung der Basislinie bei Unterföhring, dann bildet die dortige Basispyramide schon einen ersten derartigen Referenzpunkt. Interessant ist es freilich, dass die Pyramide in der so genannten Uraufnahme der detaillierten, bayerischen Landvermessung, die ab 1808 entstanden ist, mitten auf kleinteilig parzellierten, aber freien Feldern liegt. Heute dagegen ist sie umringt von Schnell- und Ausfallstraßen, Industriegebieten und Büroparks. Entsprechend schwierig ist der Punkt zu erreichen. Immerhin kennt OpenStreetMap im Gegensatz zu anderen Kartenwerken bereits die relativ neue Fußgängerunterführung an der Haltestelle Apianstraße der Buslinie 233. An der Nordseite der M3 gilt es nur noch eine steile Böschung zu überwinden, und schon erreicht man die inzwischen recht eingewachsene Basispyramide. Es ist nicht nötig, den sie umgebenden Zaun niederzutrampeln, denn an der westlichen Ecke des umfriedeten Quadrats befindet sich eine unverschlossene Gartentür.

Gleich zu Beginn ist die Basislinie nur schwer zu verfolgen. Sie führt zunächst über das Gelände des Heizkraftwerks Nord, in dessen Schatten die Basispyramide liegt. Das Heizkraftwerk, ein weithin sichtbarer Orientierungspunkt im Münchner Norden, produziert Elektrizität und Fernwärme. Obwohl oft als Müllkraftwerk bezeichnet, werden nur 13 % der Gesamtleistung durch die thermische Verwertung von Restmüll erzeugt. Für den Rest sorgen etwa 800.000 Tonnen Steinkohle pro Jahr. Auf der von hier schwer erreichbaren Ostseite der Bahnlinie zum Flughafen trifft man genau am Schnittpunkt der Basislinie auf den Beginn der so genannten Feldkirchner Tangente. Die ehemalige Bahnstrecke für den Güterverkehr ist hier vollkommen überwachsen und teilweise in gartenartige Parzellen unterteilt.

Etwas nördlich, am Bahnweg, beginnt das Unterföhringer Gewerbegebiet. Große, erschlossene, aber noch immer unbebaute Flächen zeugen von den großzügigen Planungen aus den Boomzeiten der Medienbranche und des Neuen Markts. Die Basislinie führt hier zwischen den beiden Gebäuden mit H-förmigem Grundriss durch, die als Verwaltungsgebäude der damaligen EM.TV AG errichtet wurden. Etwas westlich davon, auf der anderen Seite der Betastraße, fällt das gestalterisch interessante Bürogebäude der Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re ins Auge.

Weiter geht es zum Feringasee. Das beliebte Badegewässer verdankt seine Existenz der Schottergewinnung für den Bau der Münchner Ringautobahn A 99. Doch bevor die Basislinie den See durchquert, kreuzt sie noch das historisch interessante Bächlein Gleißach. Auch als Gleisenbach bezeichnet, stellte dieses Gewässer nämlich zur Zeit der Vermessung der Basislinie die Grenze zwischen dem Großherzogtum Bayern und dem Hochstift Freising dar, zu dem auch Unterföhring und Ismaning gehörten. Bei genauerer Betrachtung stand also die südwestliche Basispyramide gar nicht in Bayern, sondern auf dem Territorium der Fürstbischöfe von Freising. Dies sollte sich allerdings schon ein Jahr später, noch vor dem Reichsdeputationshauptschluss, durch Annexion des Stiftsgebiets durch Bayern ändern. Hat man den kleinen Trampelpfad an der westlichsten Ecke des Feringasees erst einmal entdeckt, dann führt einen dieser auf ein erstaunlich groß dimensioniertes Brückenbauwerk über die A 99. An dieser Stelle war einst das Autobahnkreuz Ismaning geplant. Die Brücke wurde als Teil einer Rampe der nie realisierten Autobahn 921, die vom Münchner Effnerplatz zum neuen Flughafen führen sollte, erbaut.

Ein Feldweg verläuft knapp nördlich parallel zur Basislinie. Er führt durch Krautäcker, die vom vermehrten Gemüseanbau im Moos zeugen. Nach den wasserbaulichen Maßnahmen in den Zwanzigerjahren trocknete das Gebiet so stark aus, dass immer wieder Staubstürme auftraten, denen man mit weitgehend bodendeckenden Kulturen begegnete. Etwas weiter passiert man die Zufahrt zum Testgelände des Autoherstellers BMW, das sich nördlich des Speichersees erstreckt. Hier ist mit einem hohen Aufkommen folienverklebter Erlkönige zu rechnen, die freilich längst einen maßgeblichen Teil des Visual Marketing des Premiumherstellers ausmachen. Auf einer Karte aus dem Jahr 1812 ist der Name des Gewanns, auf dem sich das BMW-Gelände befindet, mit In der Hölle bezeichnet. An Werktagen mit Testbetrieb klingt es dort auch heute manchmal so. Etwas nördlich zweigt der Nudelgraben ab, der wie alle fließenden Gewässer in diesem Bereich, heute kontrolliert mit Wasser aus dem Mittlere-Isar-Kanal geflutet wird, da die natürlichen Quellgebiete nicht mehr existieren.

Entlang der Goldach geht es zum Goldachhof. Die alten Landkarten lassen erkennen, dass die Goldach ihr Bett häufig verändert hat oder dass es von Menschenhand verändert wurde. Interessant ist dies insbesondere deshalb, weil es sich auch bei der Goldach um ein Grenzgewässer zwischen Bayern und Freising handelte. Die sumpfigen, breiten Ströme, die auf der Uraufnahme zu sehen sind, findet man heute nicht mehr vor, jedoch scheint es sich nach wie vor um ein Eldorado für Fische, Vögel und Insekten zu handeln. Der Goldachhof war einst ein prächtiges Gut im Besitz der Eigentümerin des Feinkosthauses Dallmayr. Nachdem er in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend verfiel, wird er derzeit von der Gemeinde Ismaning Schritt für Schritt renoviert. Bereits in neuem Glanz erstrahlt die kleine, neubarocke Kapelle an der alleeartigen Hauptzufahrt zum Hof. Sie steht direkt auf der Basislinie, wurde jedoch erst rund 100 Jahre später erbaut.

Östlich des Goldachhofs erinnert ein gemauerter Bildstock an den Tod zweier Soldaten, die hier bei einem Flugzeugabsturz im Jahr 1918, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs, ums Leben kamen. Der lauschige Weg entlang der Goldach führt zum Wölfshölzl, einem kleinen Waldgebiet, das auch schon auf den ältesten Karten verzeichnet ist. Die Basislinie durchschneidet dessen nordwestliche Ecke und führt dann fast genau über eine Brücke, unter der sich die Goldach und der Finsinger Bach vereinen. Auch hier lässt die Uraufnahme erkennen, dass sich die Gewässerverhältnisse einst ganz anders darstellten. Einige hundert Meter im Norden erreicht man das Gelände des Senders Ismaning. Von hier übermittelt der Bayerische Rundfunk Radioprogramme auf Mittelwelle, UKW und im DAB-Standard. Der einst legendäre, hölzerne Ismaninger Eiffelturm musste jedoch leider schon 1983 moderneren Sendemasten weichen.

Im Bereich der Hinteren Finsinger Au, zwischen Ismaninger und Brennermühlstraße, lassen sich noch die Strukturen des ehemaligen Torfabbaus im Moos erkennen. Die Basislinie kreuzt hier die Hintere Moosstraße und dann exakt die Abzweigung der Torfstraße von der Ismaninger Straße. In der Siedlung Eicherloh wartet ein Krug- und Keramikmuseum auf seine Gäste. Man klingelt am ehemaligen Werkstatteingang, und wenn jemand zuhause ist, wird man eingelassen. Ein Abstecher in das schon um 1800 verzeichnete Eicherloh: Neben einem prächtigen Maibaum am Wirtshaus findet man hier das hübsche Jagdhaus Maxlruh, dass sich einst der Münchner Papierhändler Max Bullinger erbauen ließ. Der früher mäandernde Gefangbach verläuft heute schnurgerade etwas weiter im Norden, und etwas südlich der Basislinie trifft man auf eine Motocross-Strecke mit allmählich verfallenden Nebengebäuden.

Kurz vor Moosinning kann man mit gutem Auge erstmals einen Blick auf die Turmhaube von St. Johann Baptist zu Aufkirchen erhaschen, die ja den verlängerten Endpunkt der Basislinie darstellt. Etwas weiter nördlich quert die Basislinie zwischen heute gut eingewachsenen Baggerseen, die vom einstigen Kiesabbau zeugen. Man überquert an dieser Stelle das Flüsschen Dorfen, das hier mit dem Fehlbach zusammenfließt. Östlich davon lässt sich ein früheres Bett der Dorfen noch anhand einer Baumreihe gut erkennen.

Auf der Fahrt durch das Schnabelmoos und Richtung Notzing rückt der Aufkirchner Kirchturm am Horizont immer näher. Links der Strecke lädt der Notzinger Weiher zum Bad ein. Bei gutem Sommerwetter findet man hier auch einen Kiosk mit kleinem Biergarten vor.

Ein weiterer, freiwilliger Umweg führt zwischen Notzing und Aufkirchen etwas nach Norden. Hier trifft man auf Reste der ehemaligen Industriebahn, die von Erding am Mittlere-Isar-Kanal bis hinab nach Pfrombach führte. Nachdem sie in der Nachkriegszeit sogar zum Personentransport genutzt worden war, wurde sie 1967 endgültig stillgelegt. Westlich des Kanals befindet sich ein bogenförmiges Waldstück, das die ehemalige Rampe der Bahnstrecke zur Kanalbrücke überwuchert hat. Es ist nur schwer erreichbar und aufgrund des dichten Bewuchses auch kaum begehbar. Die Kanalbrücke selbst ist leider für Fußgänger und Fahrzeuge aller Art ganz gesperrt.

Auf dem schmalen Treidelweg entlang des Kanals geht es weiter in Richtung Kraftwerk Aufkirchen. Die Höhe der Brücken weist darauf hin, dass der Kanal ursprünglich als potentiell schiffbar geplant wurde. Der Bau entsprechender Schleusenanlagen an den Staustufen wurde dann jedoch aus Kostengründen wieder aufgegeben, so das der Fokus des Kanals, neben wasserwirtschaftlichen Belangen, bis heute auf der Stromerzeugung liegt. So produziert auch das Kraftwerk in Aufkirchen nach wie vor Elektrizität. Heute wird es jedoch weitgehend aus der E.ON-Zentrale in Landshut ferngesteuert, so dass das denkmalgeschützte Gebäude einen etwas verlassenen Eindruck macht.

Auf dem Weg um das Kraftwerksgelände herum kann man endlich den Kirchturm von St. Johann Baptist ganz aus der Nähe betrachten. Doch etwas weiter wartet schon der markante Endpunkt der Tour: Die Aufkirchner Basispyramide. Sie steht mitten auf einem unwegsamen Feld, das sich zum Zeitpunkt des Besuchs frisch umgebrochen und mit reichlich Kuhdung versehen präsentierte. Wie der Obelisk am Beginn der Basislinie ist auch sie mit zwei verschlossenen, schmiedeeisern verzierten Klappen versehen. An verschiedenen Stellen ist zu lesen, dass hier Messinstrumente verwahrt werden sollten, jedoch deutet ihre Anordnung eher darauf hin, dass nach ihrem Öffnen einfach der Bezugspunkt im Zentrum der Pyramide mit Messlatten erreichbar ist.

Der schnelle Weg zurück in Richtung München quert noch mehrfach den Mittlere-Isar-Kanal. Wer sich etwas mehr Zeit nehmen will, kann für seine Fahrt auch die Wege und Pfade entlang des Kanals wählen. Ein kurzer Abstecher zum Kraftwerk in Neufinsing, das die erste Staustufe des Kanals zur Stromgewinnung darstellt, bietet sich als letzter Besichtigungspunkt ebenfalls an.


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