Männig

Wetterapps für das iPhone

WeatherPro 2.5

Man hatte es über die Jahre lieb gewonnen, das gute, alte WeatherPro. Obwohl mit umfangreichen und detaillierten Informationen ausgestattet, blieb es dennoch stets übersichtlich und intuitiv bedienbar. Eine Startseite mit den aktuellen Wetterdaten und einer Liste für die kommenden Tage bot in einer Vielzahl der Fälle alle Informationen, die man benötigte. Wer mehr brauchte, konnte sich in die Tiefen der Programmstruktur klicken. Ob detailliertere Daten für zukünftige Tage, die Vorschau für jeweils dreistündige Zeiteinheiten, Regenradar oder Satellitenbilder: WeatherPro hatte all das an Bord, und darüber hinaus noch eine ganze Reihe von übersichtlichen Graphen, die Wettertendenzen der nächsten Tage abbildeten. Das Ganze erwies sich über lange Zeit als äußerst zuverlässig. Leider musste die bis zur Version 2.5 konsequent weiterentwickelte App vor einer Woche mit dem Update auf 3.0 einer neu gestalteten Ausgabe weichen, bei der die Designer der Benutzeroberfläche kein so glückliches Händchen hatten. Dazu später mehr, aber einstweilen Grund genug, sich nach Alternativen umzusehen.

Agrar Wetter

Die Bitte um Empfehlungen anderer Wetterprogramme für iOS lieferte gleich zu Beginn ein interessantes Resultat: Agrar Wetter von Bayer CropScience. Der Hersteller von Pflanzenschutzmitteln bietet die App als Service für Landwirte an, und entsprechend solide sind die Daten, die das Programm zur Verfügung stellt. Neben dem aktuellen Wetter erhält man eine Vorhersage für fünf Tage. Die Prognosen sind dabei sehr detailliert und beinhalten beispielsweise Faktoren wie Taubildung, Verdunstung und Bodenfrost, die für die Landwirtschaft relevant sind. Daneben gibt es Karten zu Erdbodentemperatur und -feuchte, Gewitteraktivität, erwarteten Tageshöchstwerten und die üblichen Radar- und Satellitenbilder. Ästheten kommen bei Agrar Wetter kaum auf ihre Kosten. Die App kommt äußerst sachlich daher, neben schlichtem Grau dominiert Quietschgrün als Hausfarbe des Anbieters. Das erneute Laden von Daten, beispielsweise beim Wiedereinschalten des iPhones, dürfte gern auch etwas schneller vonstatten gehen. Auf die ebenfalls in das Programm integrierten Extras wie Pflanzenschutz-News und Beraterkontakte für Acker-, Obst-, Wein- und Gemüsebau könnten die meisten Nichtlandwirte vermutlich verzichten. Dennoch eine Empfehlung, denn hier gibt es solide Informationen und gut treffende Vorhersagen zum Nulltarif.

Preis: Kostenlos
Anbieterseite
App Store

Wetter.com

Ein weiterer Tipp aus dem Netz verwies wieder ins Netz zurück: Wetter.com ist eine Webseite, die aktuelle Wetterdaten und Prognosen über ein für Mobilgeräte optimiertes Interface im Browser bereitstellt. Wie die Mehrzahl der Apps, so erkennt auch Wetter.com den Standort des Nutzers und liefert die hierfür passenden Wetterdaten. In der Ansicht der aktuellen Werte für einen Standort verzichtet die Webapp leider auf Informationen zur Windstärke und -richtung. Diese findet man lediglich in der Drei-Tages-Vorhersage. Auch die ebenfalls verfügbare Sieben-Tages-Vorhersage beschränkt sich auf ausgewählte Informationen. Dafür wartet die mobile Webseite mit Videos auf, in denen eine adrette Meteorologin die regionale Wettervorhersage für die nächsten Tage präsentiert. Daneben befriedigt Wetter.com auch das Verlangen nach UV-, Pollen- und Ozonwerten und verfügt obendrein über die Rubriken Grillwetter und Wassertemperaturen. Letztere konnte im Vergleich zu den sonst recht präzisen Vorhersagen nicht so recht überzeugen: Eine Wassertemperatur des oberbayerischen Ammersees von 20 °C Ende Oktober ist erfahrungsgemäß eher unwahrscheinlich. Optisch könnte das Webangebot allmählich eine Auffrischung gebrauchen. Die Farbwelten bewegen sich zwischen Orange und Himmelblau, die angebotenen Karten sind für neuere iPhones zu grob gerastert. Dennoch: Ein nützliches Angebot, das keine Installation auf dem eigenen Gerät erfordert.

Preis: Kostenlos
Mobil-optimierte Startseite

Sun

Webapps für’s Wetter? Da war doch was! Vor wenigen Monaten wurde er noch quer durch alle Mobil- und Designmedien gefeiert: Sun, der minimalistische, schick gestaltete und ausschließlich im Web residierende Wetterdienst von Jakob Henner. Lag der Fokus des hübschen Tools schon von Anfang an auf seinen visuellen Qualitäten, so liefert die Webapp inzwischen leider überhaupt keine Wetterdaten mehr. Der Dienst hatte sich auf die Wetter-API von Google verlassen, die seit einiger Zeit nicht mehr zur Verfügung steht. Schade drum!

Preis: Kostenlos, aber auch funktionslos
Startseite

Weathercube

Offenbar haben sich Wetter-Apps überhaupt zur bevorzugten Spielwiese der Designerzunft entwickelt. Weathercube ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass man sich auch erfolgreich sehr weit von den guten, alten Apple-Vorgaben für die Gestaltung von iOS-Apps entfernen kann. Startet man das Programm zu ersten Mal, dann möchte man es nach der kurzen Einführung, die in Weathercube integriert ist, zunächst gar nicht mehr aus der Hand legen. Zu faszinierend ist das Drehen des Würfels, das Pinchen und das Tippen, um an die einzelnen Informationen zu gelangen. Das ist Rubik’s Cube für das Wetter, und man ertappt sich dabei, dass man anfangs noch nicht einmal die ulkigen Toneffekte ausschaltet. Diese innovative Bedienung einer simplen App ist nicht besser, schneller oder intuitiver als die altbewährter Formen von Benutzeroberflächen, aber sie macht einfach Spaß. Was den User dann allerdings weniger erfreut, sind die teils abstrusen Vorhersagen. Was die minimale Nachttemperatur betrifft, liegt Weathercube beispielsweise auch schon mal 15 °C unter der erwiesenermaßen zuverlässigen Konkurrenz.

Preis: 1,59 Euro
Demovideo
Anbieterseite
App Store

Partly Cloudy

Einen ganz anderen Designansatz verfolgt das Berliner Team von Raureif mit seiner App Partly Cloudy. Hier hat man auf den allmählich abflauenden Hype um Infografiken aufgesetzt. Die App stellt das Wetter der nächsten zwölf Stunden, 24 Stunden oder sieben Tage als Kreisscheibe dar. Temperaturen werden als Ring mit veränderlichen Farben, Regen als blaue Flächen und Wind als Schraffuren im Bereich der Scheibe dargestellt. Durch Drehen eines Wählhebels kann man sich die Detaildaten für jeden beliebigen Zeitpunkt im jeweils gewählten Bereich anzeigen lassen. Das reizt zunächst einmal auch zum Spielen, jedoch fragt man sich bereits nach kurzer Zeit, worin den wohl der Vorteil dieser konzentrischen Darstellung gegenüber der klassischen linearen – wie zum Beispiel bei den Graphen in WeatherPro – liegen mag. Die Antwort liegt vermutlich ausschließlich im Wörtchen unique, mit dem Partly Cloudy im Werbetext präsentiert wird. In der praktischen Handhabung sind jedenfalls keine Vorteile dieses Bedienprinzips zu erkennen. Optimierbar scheint auch die Präzision der Regenvorhersagen zu sein. Der Anbieter der App verlässt sich hierfür auf die Daten des Norwegischen Meteorologischen Instituts, das wohl doch nicht mit allen Feinheiten des deutschen Mikroklimas vertraut ist. Auf Windrichtungen muss man ganz verzichten, und die Windstärken werden ausschließlich nach der Beaufort-Skala angegeben.

Preis: 1,59 Euro
Anbieterseite
App Store

Check the Weather

Dritte im Bunde der Designer-Wettervorhersagen für das iPhone ist Check the Weather. Einige Fachblogs sprachen in den vergangenen Tagen eine deutliche Empfehlung für die App aus. Auf dem klaren Startbildschirm begrüßen den Nutzer die aktuelle Temperatur, eine Kurve für den Temperaturverlauf der bevorstehenden 15 Stunden und die Minimal- und Maximalwerte der kommenden drei Tage. Das Ganze ist garniert mit Icons, die Sonne, Bewölkung, Regen und dergleichen symbolisieren. In der Fußzeile wartet Check the Weather mit einer winzigen Mondphasenanzeige auf, sowie mit Uhrzeiten für Morgenröte und Abendröte, wobei es sich bei genauerer Betrachtung um nichts anderes als Sonnenauf- und -untergang zu handelt. Zieht man das Startbild nach links, so erhält man eine kompakte, textlastige Vorschau auf die nächsten 13 Tage, auf der anderen Seite stehen Wettericons, Temperaturen und Regenwahrscheinlichkeiten für die bevorstehenden 15 Stunden bereit. Winddaten sucht man in der App vergeblich, ebenso stellt sie keine Wetterkarten zur Verfügung. Lediglich für Orte in den USA werden Wetterwarnungen, Dopperradar und die Regenvorhersagen von Dark Sky angeboten. Die extrem breit laufende Typografie von Check the Weather mag ein starkes, optisches Alleinstellungsmerkmal sein, gut lesbar ist sie allerdings nicht, so dass beim dauerhaften Gebrauch der App keine rechte Freude aufkommen will. (Anmerkung am 30. Oktober 2012: Inzwischen ist es möglich, zwischen drei Fonts zu wählen und die Morgenröte ist einem Sonnenaufg. gewichen.)

Preis: 1,59 Euro
Anbieterseite
App Store

WeatherPro 3.0

So kommt man nach einem kurzen Exkurs durch die Welt der Wetterapps doch wieder reumütig zu WeatherPro zurück, das erwiesenermaßen alle Wetterinformationen vorhält, die man benötigt – wären da eben nicht die bereits erwähnten Modifikationen in der Nutzeroberfläche der Version 3.0, die die App auf einen Schlag deutlich unübersichtlicher gemacht haben. Daten, die zuvor leicht manövrierbar auf mehrere Bildschirmseiten aufgeteilt waren, werden nun auf einer einzigen zusammengepfercht. Die Leselinie läuft mal waagrecht, mal senkrecht und die Schriftgrößen wie auch die einst übersichtlichen Windrosen sind seit der letzten Programmversion deutlich geschrumpft. Doch nicht nur das macht das Auffinden gesuchter Daten zur Qual, auch die Navigation in der App wurde erheblich geändert. So beschweren sich die Nutzer im App Store gleich reihenweise, das die Radarkarten aus dem Programm entfernt wurden, doch sie sind noch immer vorhanden. Man muss sie nur erst einmal finden, was durch die veränderte, aber nicht verbesserte Navigation nicht ganz einfach ist. Die Premiumdienste, mit denen sich der Anbieter MeteoGroup weitere Umsätze erhofft, haben nun einen eigenen Button erhalten, über den beständig um Zusatzabos gebettelt wird. Man kann nur hoffen, dass bei den Entwicklern Vernunft einkehrt und den Nutzern mit dem nächsten Update wieder eine angenehmere Programmoberfläche angeboten wird. Ansonsten hilft einstweilen nur ein Downgrade auf die vorige Programmversion. Die Wetterdaten selbst, die WeatherPro auch in der Version 3.0 vermittelt, sind nach wie vor das Beste, was die Branche zu bieten hat.

Preis: 2,99 Euro
Anbieterseite
App Store

Headerfoto: Österreichische Hagelversicherung