Heute hatte ich mal wieder einen meiner beliebten Haushaltstage.  Jedenfalls musste im Rahmen der Hausarbeit auch wieder mal umfassend entsorgt werden. Die Drohungen der Hausverwaltung in den entsprechenden Aushangkästen, man möge den Müll bitte richtig trennen, einige Bewohner hätten sich schon mehrfach beschwert (Haben Menschen wirklich keine wichtigeren oder lieberen Aufgaben, als den Müll anderer Hausparteien auf regelkonforme Trennung hin zu untersuchen?), pflege ich konsequent zu ignorieren und trenne lediglich in Papier und Rest. Ich sehs nicht ein, in meinem Minihaushalt 258 Müll-, respektive Wertstoffbehälter in der Wohnung vor sich hinstinken zu lassen.

Jedenfalls bin ich zum Altpapiercontainer. Momentan steht da noch der alte, aber demnächst wird dir neue, schicke Unterflurcontaineranlage in der Straße eingeweiht. Hat sicher ein Vermögen gekostet und wurde praktischerweise ins Zentrum des neuen Hauptplatzes der Wohnanlage platziert, quasi als Altar der Kultur. Nächstes Fronleichnam werden die Dinger sicherlich auch mit Blütenteppichen geschmückt, und man betet zu St. Altglas, St. Weißblech und stiftet dem Heiligen Altpapier eine Kerze.

Na ja, so weit ist es aber noch nicht, und so war ich also am alten Container. Kennst du die Geschichte vom Altgirlcontainer, aus dem noch ein Bein rausguckt, von Max Goldt? So wars aber auch wieder nicht, aber als ich mein Papier einwerfe vernehme ich liebliche Laute. Ich frag mich zuerst mal wo sie herkommen und was es ist und spitz also die Ohren.

Ganz eindeutig: Hier wird “Happy Birthday” gespielt. Deutlich vernehmbar, im elektronischen Düdelsound, aber zunächst räumlich nicht zu orten. Bei genauerer Überprüfung wird mir klar: Die Musicke kommt aus dem Einwurfloch nebenan, das mit “Dosen” beschriftet ist. Gut, man könnte jetzt ganz prosaisch unterstellen, dass jemand da irgendein nicht mehr benötigtes Geburtstagsgeschenk mit so einem widerlichen Soundchip reingeworfen hat. Aber eigentlich will ich eher glauben, dass mein Müllcontainer Geburtstag hat und einfach mal mit sich selbst feiert. Müllcontainer sind ja per se nicht allzu gesellig.

Als ich zweieinhalb Stunden später von Aldi komme, tönt es immer noch laut und deutlich aus dem Container. Fast wäre ich noch zur örtlichen Floristin gefahren und hätte ein kleines Gesteck erworben, das ich als Blumengruß noch in den Einwurfschlitz gesteckt hätte. So ein Dosencontainer freut sich ja auch, wenn an seinem Jubeltage jemand an ihn denkt. Aber ich hab mich dann meines Kontostands besonnen und der Blumenpreise heutzutage und es dann doch sein lassen. Jetzt hab ich allerdings doch ein schlechtes Gewissen.