Männig

Direktwerbung. Jetzt neu: auch per E-Mail

Ich mag sie ja, die Briefe und E-Mails, die mit den Worten anbei erhalten Sie beginnen. Die E-Mail, die heute morgen eingetrudelt ist, begann sogar mit Sehr geehrter Herr Männig, anbei erhalten Sie vorab per E-Mail. Das bedeutet, dass man damit rechnen muss, dass das gleiche, was man schon kennt, einige Tage später noch einmal per Post eintrudeln wird. Immerhin freut man sich in solchen Momenten, das Faxgerät schon vor Jahren weggeworfen zu haben, denn sonst würde man die gleiche Information sicherlich dreimal erhalten.

Nachdem der Text der E-Mail wenig aussagekräftig ist, öffne ich also den – offenbar recht voluminösen – Anhang im PDF-Format. Aha, man lädt mich zu einer Veranstaltung ein. Als Ehrengast noch dazu. Schade, dass ich keinerlei Ahnung habe, wer der Absender des Schreibens überhaupt ist. Bitte bestätigen Sie uns Ihre Teilnahme mit dem beigefügten Antwortschreiben per Fax, lässt man mich wissen. Erwähnte ich schon, dass ich schon länger kein Faxgerät mehr besitze?

Nun gut, ich schaue mir den Antwortbogen dennoch an. Die Teilnahme ist für mich kostenlos. Prima. Bestätigen soll ich per Kreuzchen, absagen auch, falls ich nicht komme. Damit alles seine deutsche Ordnung hat, soll ich natürlich fein säuberlich das aktuelle Datum eintragen und rechtsverbindlich unterschreiben. Und natürlich den Stempel nicht vergessen! Eine rechtsverbindliche Unterschrift für eine kostenlose Einladung als Ehrengast. Hmmm. Aber beim Wort Stempel gerate ich ins träumen. Tatsächlich hatte ich 1993, bei der Gründung meines ersten Unternehmens, einen Firmenstempel angeschafft. Nachdem ich jahrelang keine Verwendung dafür sah, habe ich ihn irgendwann weggeworfen. Ist eigentlich das Reichsstempelgesetz von 1924 noch rechtsgültig in Kraft?

Mit dem Antwortbogen zum Brief dachte ich eigentlich, am Ende zu sein. Aber die Scrollleiste zeigt mir, dass ich mich offensichtlich doch erst ganz am Anfang eines wesentlich voluminöseren Dokuments befinde. Ich scrolle also nach unten und bin verwundert: Der nächste Brief, die nächste Einladung, wieder mit Antwortbogen, aber an eine andere Person. Weiter unten der nächste. Und immer so weiter. Insgesamt sind es 125, allesamt an wildfremde Menschen. Offenbar hat hier jemand einen kompletten Serienbrief in ein PDF-Dokument ausgedruckt und alle 250 PDF-Seiten mit den Daten seiner Kunden oder Ehrengäste an mich geschickt.

Nun will ich aber doch wissen, wer derart wunderliche Mailings per E-Mails verschickt. Ich schaue mir die erste Seite und den Header der E-Mail noch einmal genauer an. Und ich staune noch mehr: Oh, die E-Mail sollte offenbar eigentlich gar nicht an mich gehen, sondern an einen anderen Herrn Männig. Man hatte sich nur in der E-Mail-Adresse geirrt und fälschlicherweise eine meiner Domains in der Adresse verwendet. Au weh. Die 125 Adressen habe ich schnellstmöglich von meinem Rechner und vom Mailserver gelöscht. Und mit Gedanken an den Absender richte ich einen Stoßseufzer nach oben:

Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!